Haferdrink – was steckt wirklich in der pflanzlichen Milchalternative?
Haferdrink wirkt auf den ersten Blick ziemlich simpel: Hafer und Wasser werden miteinander vermischt – fertig.
Doch so einfach ist es meistens nicht. Damit aus Hafer ein angenehm flüssiger Drink entsteht, sind mehrere Verarbeitungsschritte notwendig. Und ein Blick auf verschiedene Zutatenlisten zeigt schnell: Haferdrink ist nicht gleich Haferdrink.
Manche Produkte kommen mit wenigen Zutaten aus, andere enthalten zusätzlich Öl, Salz, Calcium, Vitamine oder Stabilisatoren. Besonders spannend ist aber, was bereits mit dem Hafer selbst während der Herstellung passiert.
Wie wird aus Hafer ein Drink?
Hafer enthält viel Stärke. Würde man Hafer einfach fein mahlen, mit Wasser vermischen und erhitzen, könnte eine relativ dicke, breiige Masse entstehen.
Deshalb werden bei der Herstellung von Haferdrink häufig Enzyme eingesetzt. Enzyme wie Amylasen können die langen Stärkemoleküle in kleinere Bestandteile zerlegen. Dadurch wird die Flüssigkeit weniger dickflüssig und gleichzeitig verändert sich ihr Geschmack.
Anschließend können feste Bestandteile abgetrennt, weitere Zutaten ergänzt und der Drink homogenisiert und erhitzt werden, damit er haltbar wird.
Warum schmeckt Haferdrink süß, obwohl kein Zucker zugesetzt wurde?
Das ist einer der interessantesten Effekte der Herstellung.
Beim enzymatischen Abbau der Haferstärke können unter anderem Maltose und Glucose entstehen. Der Drink kann dadurch deutlich süß schmecken, obwohl kein Haushaltszucker oder Sirup zugesetzt wurde.
Deshalb lohnt sich der Unterschied zwischen zwei Aussagen:
„ohne Zuckerzusatz“ bedeutet nicht automatisch „zuckerfrei“.
Zucker, der während der Verarbeitung aus der Stärke entsteht, kann anschließend in der Nährwerttabelle unter „davon Zucker“ auftauchen.
Die Süße eines Haferdrinks muss also nicht aus zugesetztem Zucker stammen.
Ein Teil des Zuckers kann erst während der Verarbeitung des Hafers entstehen.
Haferdrink ist nicht einfach flüssiger Hafer
Auch wenn Hafer der Ausgangsstoff ist, entspricht ein Glas Haferdrink ernährungsphysiologisch nicht einer Portion Haferflocken.
Der Hafer wird mit viel Wasser verarbeitet, Bestandteile können abgetrennt werden und die Stärke kann enzymatisch verändert werden. Je nach Rezeptur kommen anschließend weitere Zutaten hinzu.
Warum steckt Öl im Haferdrink?
Nicht jeder Haferdrink enthält zugesetztes Öl. Bei manchen Rezepturen wird jedoch Pflanzenöl verwendet, um unter anderem Mundgefühl und Cremigkeit zu beeinflussen.
Besonders bei Barista-Produkten spielt die gesamte Rezeptur eine wichtige Rolle, weil der Drink sich mit Kaffee verbinden und einen stabilen Schaum bilden soll.
Auf den Zutatenlisten können beispielsweise Rapsöl, Sonnenblumenöl oder High-Oleic-Sonnenblumenöl auftauchen.
Und hier lohnt es sich, genauer hinzusehen.
Sonnenblumenöl ist nicht gleich Sonnenblumenöl
Klassisches Sonnenblumenöl enthält einen hohen Anteil der mehrfach ungesättigten Linolsäure, einer Omega-6-Fettsäure.
Bei High-Oleic-Sonnenblumenöl sieht die Zusammensetzung deutlich anders aus. Es stammt von Sonnenblumensorten, deren Öl besonders reich an Ölsäure ist. Diese gehört zu den einfach ungesättigten Fettsäuren.
High-Oleic-Sonnenblumenöl kann mehr als 75 % Ölsäure enthalten, während klassisches Sonnenblumenöl typischerweise wesentlich mehr Linolsäure enthält. Der höhere Ölsäureanteil macht High-Oleic-Öl zudem oxidationsstabiler.
Steht auf zwei Haferdrinks jeweils Sonnenblumenöl, muss darin nicht dasselbe Fettsäuremuster stecken.
High Oleic bezeichnet eine andere Fettsäurezusammensetzung und nicht einfach nur eine hochwertiger klingende Bezeichnung für gewöhnliches Sonnenblumenöl.
Und wie unterscheidet sich Rapsöl?
Rapsöl besitzt wiederum ein anderes Fettsäuremuster. Es enthält viel einfach ungesättigte Ölsäure, daneben Linolsäure und im Gegensatz zu Sonnenblumenöl auch einen relevanten Anteil Alpha-Linolensäure (Omega-3).
Daraus sollte man jedoch keine einfache Rangliste „gutes Öl – schlechtes Öl“ machen.
Interessanter ist: Die Wahl des zugesetzten Öls verändert tatsächlich die Fettzusammensetzung des Haferdrinks.
Was unterscheidet einen Barista-Haferdrink?
„Barista“ beschreibt vor allem, wie sich ein Produkt bei der Zubereitung von Kaffee verhalten soll.
Der Drink soll sich gut aufschäumen lassen, eine angenehme Textur besitzen und sich im Kaffee möglichst stabil verhalten.
Dafür kann die Rezeptur gegenüber einem einfachen Haferdrink verändert werden. Unter anderem können Fettgehalt und weitere Zutaten angepasst sein.
Ein Barista-Haferdrink ist deshalb nicht automatisch nährstoffreicher oder „besser“. Er ist in erster Linie für eine bestimmte Anwendung formuliert.
Warum wird Calcium zugesetzt?
Haferdrink enthält von Natur aus nicht dieselben Calciumgehalte wie Kuhmilch. Manche Hersteller reichern ihre Pflanzendrinks deshalb mit Calcium an.
Dafür können beispielsweise Calciumcarbonat oder Calciumphosphat verwendet werden. Untersuchungen verschiedener Pflanzendrinks zeigen, dass sowohl die verwendeten Calciumverbindungen als auch die Anreicherung zwischen den Produkten erheblich variieren.
Ein hoher Calciumwert eines Haferdrinks bedeutet daher nicht automatisch, dass der Hafer besonders calciumreich war.
Das Calcium kann gezielt zugesetzt worden sein.
Und was ist mit Vitamin B12 und Vitamin D?
Ähnliches gilt für bestimmte Vitamine.
Vitamin B12 ist kein natürlicher Nährstoff, den man aufgrund des Hafers in relevanter Menge in einem Haferdrink erwarten sollte. Wenn ein Pflanzendrink nennenswerte Mengen Vitamin B12 enthält, wurde es in der Regel zugesetzt.
Auch Vitamin D kann zur Anreicherung verwendet werden.
Allerdings sind längst nicht alle Pflanzendrinks angereichert. Analysen kommerzieller Produkte zeigen erhebliche Unterschiede zwischen einzelnen Marken und Rezepturen.
Warum enthalten manche Haferdrinks Stabilisatoren?
In Pflanzendrinks können beispielsweise Gellan, Guarkernmehl, Xanthan oder andere Hydrokolloide eingesetzt werden.
Ihre Aufgabe ist technologischer Natur: Sie können die Textur beeinflussen und dabei helfen, Bestandteile gleichmäßiger in der Flüssigkeit verteilt zu halten.
Ihre Anwesenheit sagt für sich genommen noch nichts darüber aus, ob ein Produkt ernährungsphysiologisch „gut“ oder „schlecht“ ist.
Genau deshalb ist die Länge einer Zutatenliste allein kein sinnvoller Qualitätsmaßstab.
Ist die kürzeste Zutatenliste automatisch die beste?
Ein Haferdrink aus Wasser, Hafer und Salz wirkt zunächst besonders schlicht.
Ein anderer enthält zusätzlich Calcium und Vitamin B12 – und hat damit automatisch eine längere Zutatenliste.
Trotzdem kann gerade diese Anreicherung ernährungsphysiologisch relevant sein, wenn ein Pflanzendrink regelmäßig als Alternative zu Milch verwendet wird.
Umgekehrt macht eine sehr kurze Zutatenliste einen Haferdrink nicht automatisch nährstoffreicher.
Wenige Zutaten und gute Nährstoffversorgung sind zwei unterschiedliche Fragen.
Ist Haferdrink ein Ersatz für Kuhmilch?
Kulinarisch kann Haferdrink Kuhmilch in vielen Situationen ersetzen. Ernährungsphysiologisch sind beide jedoch nicht automatisch gleichwertig.
Ein wesentlicher Unterschied liegt beispielsweise beim Protein. Pflanzendrinks unterscheiden sich außerdem untereinander erheblich hinsichtlich Protein, Fett, Kohlenhydraten und zugesetzten Mikronährstoffen.
Was ist bei Bio-Haferdrink anders?
Hier gibt es einen Punkt, der bei Pflanzendrinks tatsächlich relevant ist.
Bei Bio-Lebensmitteln ist die freiwillige Anreicherung mit Vitaminen und Mineralstoffen stärker eingeschränkt als bei konventionellen Lebensmitteln. Die EU-Bio-Verordnung erlaubt deren Einsatz grundsätzlich nur unter bestimmten Voraussetzungen, etwa wenn eine Anreicherung rechtlich vorgeschrieben ist.
Das kann erklären, warum man bei Bio-Haferdrinks häufiger Rezepturen ohne zugesetzte Vitamine oder Calcium findet, während konventionelle Pflanzendrinks häufiger gezielt angereichert werden.
🍋 BioKompass Ernährungstipp
Haferdrink im Kaffee – die Temperatur kann einen Unterschied machen
Dein Haferdrink flockt im Kaffee manchmal aus, obwohl er noch völlig in Ordnung ist? Dann muss nicht unbedingt das Produkt schuld sein.
Sehr heißer und gleichzeitig saurer Kaffee kann die Stabilität eines Pflanzendrinks beeinflussen. Besonders der starke Temperaturunterschied zwischen kaltem Haferdrink und heißem Kaffee kann das sichtbare Ausflocken begünstigen.
Probier deshalb einmal Folgendes: Den Haferdrink nicht eiskalt verwenden, sondern kurz temperieren oder erwärmen und anschließend langsam zum Kaffee geben.
Das verändert zwar nicht die grundsätzliche Zusammensetzung des Drinks, kann aber helfen, eine gleichmäßigere Mischung zu bekommen.
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Dieser Beitrag wurde mit Unterstützung von KI erstellt.



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