Vom Bio-Freak zum Bio-Business
Wenn mich heute jemand fragt, warum ich seit mehr als 20 Jahren in der Bio-Branche arbeite, könnte ich eigentlich ganz einfach antworten: Ich glaube, ich wurde als Bio-Freak geboren.
Schon lange bevor Bio-Lebensmittel in beinahe jedem Supermarktregal zu finden waren, wollte ich wissen, was in meinem Essen steckt. Woher kommen die Zutaten? Wie werden sie angebaut und verarbeitet? Warum braucht ein Lebensmittel bestimmte Zusatzstoffe – und geht es nicht auch ohne?
Gesunde Ernährung, hochwertige Lebensmittel und ein verantwortungsvoller Umgang mit unserer Natur gehören für mich seit jeher zusammen. Dabei ging es mir nie nur darum, ein Bio-Siegel auf einer Verpackung zu sehen. Ich wollte verstehen, was hinter einem Produkt steckt – vom Anbau über die Verarbeitung bis zu den Zutaten.
Besonders Konservierungsstoffe, künstliche Zusätze und stark verarbeitete Lebensmittel habe ich schon früh kritisch hinterfragt. Je mehr ich mich damit beschäftigte, desto größer wurde mein Wunsch, Lebensmittel bewusster auszuwählen und mein Wissen darüber auch weiterzugeben.
Aus diesem persönlichen Interesse wurde schließlich eine berufliche Idee: Warum nicht genau das zum Beruf machen?
Im Dezember 2004 war es so weit. In Wiener Neustadt eröffnete ich meinen ersten eigenen Bioladen – rund 60 m² groß, persönlich, überschaubar und voll mit Produkten, hinter denen ich stehen konnte.
Damals konnte ich noch nicht ahnen, wohin mich diese Entscheidung einmal führen würde. Aber genau hier begann meine Reise in der Bio-Branche.
Und so sah der Bio-Laden damals 2004 aus
60 m² waren nicht gerade viel Platz – aber ich habe erstaunlich viel daraus gemacht. Mein erster Bioladen in Wiener Neustadt war Lebensmittelgeschäft, Feinkostladen und ein kleines bisschen Kaffeehaus in einem.
Neben frischem Bio-Obst und Bio-Gemüse gab es eine kleine Feinkostabteilung, Lebensmittel für den täglichen Einkauf, Haushaltsreiniger und Naturkosmetik. Sogar eine eigene Getreidemühle gehörte dazu. Wer wollte, bekam sein Getreide direkt im Laden frisch zu Mehl gemahlen.
Und dann war da noch meine kleine Kaffeehausecke. Hier konnte man bei einer Tasse Kaffee sitzen, plaudern und meinen selbstgebackenen Apfelkuchen genießen. Mit dem hatte ich offenbar einen Nerv getroffen: Innerhalb kürzester Zeit wurde er zum echten Renner.
Wenn ich heute die Fotos aus dieser Zeit anschaue, muss ich manchmal schmunzeln. Jeder Winkel wurde genutzt und auf kleinstem Raum fand sich eine erstaunliche Vielfalt.
Es war klein, persönlich und manchmal sicher auch ein bisschen improvisiert. Aber genau das machte diesen ersten Laden aus.
Und lange sollte er nicht so klein bleiben.
2007 war’s soweit: Unser kleiner Bio-Markt platzte aus allen Nähten
Nur drei Jahre nach der Eröffnung wurde es langsam richtig eng. Mein Sortiment war gewachsen, immer mehr Menschen kamen zum Einkaufen – und irgendwann war klar: Ich brauche mehr Platz.
2007 stand deshalb der erste große Umzug an.
Und plötzlich hatte ich genau das gegenteilige Problem: Statt zu wenig Platz gab es auf einmal jede Menge davon. Ich weiß noch, wie ich in den neuen Räumen stand, die vielen Regale sah und mich fragte: Wie um alles in der Welt soll ich die bloß alle füllen?
Was heute vielleicht selbstverständlich klingt, war damals ein großer Schritt für mich. Mehr Fläche bedeutete schließlich auch ein größeres Sortiment, höhere Warenmengen, mehr Organisation und deutlich mehr Verantwortung.
Aus meinem kleinen Bioladen wurde Schritt für Schritt ein richtiger Biomarkt.
Und meine Sorge, ob ich jemals genügend Produkte für all diese Regale finden würde, sollte sich schon bald als völlig unbegründet herausstellen.
Der nächste große Schritt
Fünf Jahre später war es wieder so weit: 2012 vergrößerte sich der Laden noch einmal deutlich.
Mittlerweile war aus meinem kleinen Bioladen ein Biomarkt mit rund 600 m² geworden. Das war eine völlig andere Dimension als zu Beginn.
Endlich gab es richtig viel Platz – für Lebensmittel, Frischeprodukte und all die Sortimente, die inzwischen zu meinem Verständnis eines modernen Bio-Fachmarktes gehörten.
Neu dazu kam ein eigenes Restaurant. Damit konnte ich Bio-Lebensmittel nicht mehr nur verkaufen, sondern auch zeigen, was sich daraus machen lässt. Bio kam sozusagen direkt vom Regal auf den Teller.
Wenn ich heute die Bilder aus dieser Zeit sehe, wird mir erst richtig bewusst, wie rasant sich alles entwickelt hatte. Aus dem kleinen Bioladen war innerhalb weniger Jahre ein großer, moderner und richtig schicker Biomarkt geworden.
Für mich war das damals ein unglaublicher Entwicklungsschritt – aber meine Geschichte sollte schon bald wieder eine ganz andere Richtung nehmen.
2015: Zeit für etwas Neues
Nach mehr als zehn intensiven Jahren war 2015 für mich der Zeitpunkt gekommen, „Bio-Fiedler“ den Rücken zu kehren.
Das bedeutete allerdings keineswegs, dass ich mich von guten Lebensmitteln verabschiedete. Im Gegenteil: Meine nächste Idee hatte wieder jede Menge mit guten Zutaten zu tun – nur wurde es diesmal deutlich süßer.
„Glaserlkuchen“ hieß mein neues Projekt: fertig gebackene, essfertige Kuchen direkt im Glas.
Glas auf, Löffel rein und genießen. Keine Tortenplatte, kein Aufschneiden und praktischerweise auch keine Diskussion darüber, wer das größte Stück bekommen hat.
Nach den vielen Jahren im klassischen Biohandel war es für mich eine völlig neue Erfahrung, nicht mehr ein ganzes Geschäft mit unzähligen Produkten zu führen, sondern eine eigene Produktidee in den Mittelpunkt zu stellen und weiterzuentwickeln.
Ein neues Kapitel hatte begonnen – und diesmal passte es tatsächlich in ein Glas.
2018: Zurück zu meinen Wurzeln
Manchmal führt einen das Leben tatsächlich wieder dorthin zurück, wo schon einmal ein wichtiges Kapitel begonnen hat.
2018 erhielt ich einen Anruf von Denns Biomarkt: Ob ich mir vorstellen könnte, meinen ehemaligen Markt wieder zu übernehmen – diesmal als Geschäftsführerin und mit Denns als Partner an meiner Seite.
Diese Gelegenheit reizte mich. Schließlich kannte ich den Standort, den Biohandel und viele meiner Kundinnen und Kunden sehr gut. Gleichzeitig hatte sich die Branche weiterentwickelt und auch ich brachte inzwischen viele neue Erfahrungen mit.
Also kehrte ich tatsächlich noch einmal in meinen ehemaligen Markt zurück.
Gemeinsam mit Denns wurde der Markt neu aufgestellt und modernisiert. Für mich waren diese beiden Jahre noch einmal eine intensive Zeit im stationären Biohandel – mit neuen Strukturen, anderen Abläufen und zusätzlichen Erfahrungen in Einkauf, Sortiment und Kundenberatung.
Nach zwei Jahren trennten sich unsere Wege wieder.
Diesmal führte mich mein nächster Schritt allerdings nicht in einen neuen Laden. Meine Idee von Biohandel sollte sich grundlegend verändern.
2021: Biovorrat Fiedler geht online
Im Juni 2021 entstand Biovorrat Fiedler als Onlineshop – und damit begann für mich ein völlig neues Kapitel.
Zum ersten Mal war mein Sortiment nicht mehr durch die Quadratmeter eines Geschäftslokals und die Anzahl der vorhandenen Regale begrenzt.
Genau darin sah ich eine große Chance. Ich konnte mein Wissen und meine langjährige Erfahrung aus dem Bio-Fachhandel mit den Möglichkeiten des Onlinehandels verbinden und mein Sortiment Stück für Stück erweitern.
Aus den ersten Produkten wurden immer mehr. Heute findest du bei Biovorrat tausende Bio-Lebensmittel und weitere Bio-Produkte – von bekannten Klassikern des Bio-Fachhandels bis zu Spezialitäten und Produkten, die man nicht überall bekommt.
Was mir dabei besonders wichtig ist: Hinter Biovorrat steht kein anonymer Onlineshop. Hinter dem Sortiment stehen mehr als 20 Jahre Erfahrung mit Bio-Lebensmitteln, Herstellern, Rohstoffen und Qualitätsunterschieden.
Und etwas hat sich seit meinem ersten Laden ebenfalls nicht verändert: Ich höre meinen Kundinnen und Kunden zu. Wenn du ein bestimmtes Bio-Produkt suchst, das du bei Biovorrat noch nicht findest, kannst du mich fragen. Viele Produkte haben genau auf diesem Weg ihren Platz in meinem Sortiment gefunden.
Der Onlinehandel eröffnete mir Möglichkeiten, die ich in einem klassischen Geschäft nie gehabt hätte.
Was ich damals allerdings noch nicht wusste: Irgendwann würde zum Onlineshop wieder ein richtiger Bioladen dazukommen.
Zurück im Bioladen – und trotzdem online
Eigentlich hätte meine Geschichte an dieser Stelle wunderbar als reine Online-Geschichte weitergehen können. Aber wie du inzwischen wahrscheinlich gemerkt hast: Bei mir kommt es in Sachen Bio meistens anders als geplant.
2024 bekam ich wieder einen dieser Anrufe, die meinem beruflichen Weg schon mehrmals eine neue Richtung gegeben haben: Ob ich den kleinen Bioladen in Mattersburg übernehmen möchte.
Wenn du lieber persönlich durch die Bio-Regale stöbern möchtest, freue ich mich riesig, dich in meinem gemütlich gewordenen Bioladen in Mattersburg zu begrüßen! Hier findest du bei charmanten 1300 Artikeln alles, was das Bio-Herz begehrt – von A wie Ahornsirup bis Z wie Zwetschgenmus. Komm vorbei und sieh selbst, wie viel Bio-Glück auf kleinerem Raum Platz findet.
Nach einigem Überlegen sagte ich Ja.
Und damit stand ich – ziemlich genau 20 Jahre nach der Eröffnung meines ersten Bioladens – wieder hinter einer Ladentheke, zwischen Bio-Lebensmitteln und im direkten Kontakt mit meinen Kundinnen und Kunden.
Diesmal allerdings mit einem entscheidenden Unterschied: Der Laden und mein Onlineshop gehören zusammen.
Als später das Geschäftslokal nebenan frei wurde, ergab sich die nächste Chance. Mit den zusätzlichen Räumlichkeiten bekam ich mehr Platz für mein Sortiment und meine Kundinnen und Kunden – und gleichzeitig für die Bearbeitung, Verpackung und den Versand meiner Online-Bestellungen.
Biovorrat Fiedler heute
Heute verbindet Biovorrat Fiedler für mich das Beste aus beiden Welten: die persönliche Beratung und Nähe eines kleinen Bioladens mit der Auswahl und den Möglichkeiten eines großen Bio-Onlineshops.
Wenn du gerne selbst durch die Regale stöberst, neue Produkte entdecken möchtest oder eine persönliche Beratung schätzt, kannst du mich in meinem Bioladen in Mattersburg besuchen.
Online geht die Auswahl noch viel weiter. Auf biovorrat.at findest du rund 5.800 Bio-Produkte und damit vieles, für das in einem kleinen Geschäft schlicht kein Regal groß genug wäre.
Manchmal muss man offenbar einen ziemlich langen Weg gehen, um wieder dort anzukommen, wo alles begonnen hat – nur mit sehr viel mehr Erfahrung im Gepäck.
Vieles hat sich seit 2004 verändert. Meine Begeisterung für gute Bio-Lebensmittel nicht.
Du kannst mir gerne auf Facebook folgen, um meine neuesten Beiträge zu sehen:
„Podcast & Magazine Burgenland1“ hat mit mir ein Interview gemacht, welches du gerne hier nachlesen kannst:



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